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NATURHEILKUNDE  INFORMATION
von JJ Kleber

Allgemeine Bemerkungen, zur Kombination von Mikronährstoffen mit anderen Naturheilverfahren und Begründung der zusätzlichen Einnahme von Mikronährstoffen siehe orthomolekulare Medizin, tabellarische Übersichten siehe unter Vitamine.

 

 β-KAROTIN
von JJ Kleber

etwas gekürzt aus Kleber JJ: Naturheilkundliche Krebstherapie Kai Kröger Verlag

β-Karotin (beta-Karotin) ist die ungiftige Vorstufe zu Vitamin A (Retinol), deshalb ist in vielen Vitamin-Präparaten nur β-Karotin als Pro-Vitamin A enthalten. Die enthaltene Menge β-Karotin wird oft angegeben in Retinol-Äquivalent (engl. retinol activity equivalent), die es erlaubt, aus der angegebenen Dosis β-Karotin direkt die daraus entstehende Retinol-Menge zu erkennen (1 mg Retinol-Äquivalent = 6 mg all-trans-β-Carotin = 12 mg anderer Provitamin A-Karotinoide – ist die Vorstufe für 1 mg Retinol = 3330 IE Vitamin A [10]).

DOSIERUNG: Die empfohlene tägliche Mindestaufnahme (Dach-Referenzwerte) ab dem 10. LJ ist täglich 0,9-1,1 mg Retinol-Äquivalent = ca. 12 mg Provitamin A-Karotinoide [10].
OPTIMALE SUBSTITUTIONSDOSIS: 15-30 mg/d an Gesamtkarotinoiden [47], in den USA gilt als  maximale tägliche Dosis ohne Nebenwirkungen 3 mg Retinoläquivalent (ca. 36 mg Provitamin A-Karotinoide) [13]. Wegen der fraglichen Erhöhung des Karzinomrisikos bei starken Rauchern wird als tägliche Dosis bei Rauchern maximal bis 10 mg empfohlen [4].
Bei Chemo-und Strahlentherapie: während des Zyklus sind optimal 20-60 mg/d an Gesamtkarotinoiden.
Bei Protoporphyrie: Erwachsene 60-180-360 mg/d, Kinder unter 14 Jahren 30-150 mg/d zum Schutz der Haut vor Sonnenschädigung [26].

TOXIZITÄT: Auch bei hohen Dosen von Karotinoiden (im Gegensatz zu Vitamin A = Retinol) ist keine toxische Wirkung bekannt, ab 25 mg/d kann es zu einer Gelbfärbung der Haut ohne weitere toxische Wirkung kommen. Eine A-Hypervitaminose durch hohe Dosen Karotinoide ist nicht möglich [26]. Auch bei einer Menge von 200 mg/d sind keine Schädigungen bekannt geworden [11]. In der Schwangerschaft sind keine Missbildungen durch Karotinoide bekannt geworden [50].

INDIKATIONEN: bei Krebs als Antoxidans, besonders wichtig während Chemo- und Strahlentherapie.
Experimentelle Arbeiten an Zellen und epidemiologische Arbeiten geben gute Hinweise auf karzinoprotektive Eigenschaften von Karotinoiden [4].
Studien ergaben widersprüchliche Ergebnisse. Einerseits zeigte sich bei den meisten epidemiologischen Untersuchungen in diätetisch gut mit Karotinoiden versorgten Bevölkerungsgruppen ein niedrigeres Karzinomrisiko (auch für Lungenkarzinom) im Vergleich zu Bevölkerungsgruppen mit niedriger Karotinoid-Aufnahme oder mit niederen Karotin-Serum-Konzentrationen. Andererseits fand man bei einer kontrollierten Studie bei Rauchern, die täglich 30 mg β-Karotin + 25000 IE Vtamin A einnahmen, höhere Lungenkrebsraten (CARET-Studie), und bei einer Studie mit 22.000 Ärzten, die 50 mg β-Karotin pro Tag gegen Placebo einnahmen, keinen Unterschied in der Krebshäufigkeit (Physician’s Health Studie) gegenüber Placebo [4].
Allen kontrollierten Studien ist gemeinsam, dass im Gegensatz zu den epidemiologischen Ernährungsuntersuchungen einseitige Vitaminsupplementierung mit Vitamin A und/ oder β-Karotin gegeben wurde, und dass der Versorgungsstatus mit anderen antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen (Vitamin E,Vitamin C,Selen) nicht in die Überlegungen einbezogen wurde, erst recht nicht die Bedeutung sekundärer Pflanzenstoffe oder unterschiedlicher Karotinoide. So könnte die erhöhte Lungenkrebsrate unter β-Karotin-Substitution bei Rauchern (Caret-Studie) durch toxische β-Karotin-Oxidationsprodukte hervorgerufen sein, wenn kein ausreichender weiterer oxidativer Schutz vorhanden ist (nämlich durch Vitamin C und Vitamin E, Selen-abhängiges Glutathion-Sy­stem, Cystein u.s.w.).
Weitere, auch schulmedizinisch akzeptierte Indikationen für β-Karotin sind die Beseitigung eines latenten Vitamin-A-Mangels, Lichtschutz bei Protoporphyrie und eventuell bei Pigmentsörungen. 60 mg/d werden diskutiert als Therapie bei oraler Leukoplakie und 30 mg/d bei Dysplasien des Gebärmutterhalses [4].

KAROTINMANGEL: Bisher wurden keine Symptome eines Karotinmangels bekannt. Symptomen des Vitamin-A-Mangels betreffen vor allem Sehkraft und Verhornung der Schleimhäute, Akne und Immunstörungen. Dieser in unseren Breiten sehr seltene Vitaminmangel, wird aber nicht mit Gabe von β-Karotin, sondern mit Vitamin A GAbe behandelt.

WIRKUNG: Neben seiner Wirkung als Provitamin A sind alle Karotinoide sehr wichtige Antioxidantien (Schutz vor Singulett-Sauerstoff). Daher auch die hochdosierte schulmedizinische Anwendung gegen die Photosensitivität von Protoporphyrie-Patienten und die naturheilkundliche Empfehlung während Chemo- und Strahlentherapie.
Außerdem ist eine stimulierende Wirkung auf B-, T-Lymph­ozyten, auf NK-Zellen und eine regulierende Wirkung auf IL-1, IL-2 und TNF beobachtet worden [4, 18].

STOFFWECHSEL:Die Resorption erfolgt zu 20-50% im Dünndarm, verbessert durch die Anwesenheit von Speiseöl, Fett, Vitamin E, Gallensäuren. Biotransformation erfolgt durch Spaltung zu Vitamin A in den Mukosazellen des Darmes und in den Erythrozyten. Bei höherer Karotinzufuhr kommt es zu einer Abnahme der Umwandlung in Vitamin A, so dass auch hohe β-Karotin-Dosen die Retinol-Konzentration im Serum nicht erhöhen [4, 26, 50].
Die Verweilzeit der Karotinoide im Serum nach einer Einzelgabe beträgt 5-10 Tage [4], in Membranen und im Fettreichen Gewebe dürfte es wesentlich länger sein.

NACHWEIS: Als Probe Serum oder Heparin-Plasma lichtgeschützt versenden.
Normale Serum-Konzentration: β-Karotin 150-850-(1200) µg/l [11, 31, 35]
gute Versorung: β-Karotin > 210 µg/l = > 0,4 µmol/l [57]; Lycopin > 0,5 µmol/l; Lutein > 0,6 µmol/l [57]

VORKOMMEN: Es gibt ca. 600 unterschiedliche Karotinoide, für Pflanzen als antioxidativer Schutz vor phototoxischen Prozessen [4]. Etwa zwölf davon können im Organismus teilweise in Vitamin A umgewandelt werden und werden als Pro-Vitamin-A-Karotinoide bezeichnet. Wichtigstes ist das β-Karotin [11].
Karotinoide kommen vor allem in frischen Früchten und frischem Gemüse vor (in abnehmender Konzentration in: Karotte, Grünkohl, Spinat, Kürbis, Kopfsalat, Aprikose, Guave, Broccoli, Tomate (v.a. Lykopin) [47].
Die schlechten Ergebnisse der β-Karotin-Studie für Raucher lassen es möglich erscheinen, dass die Einnahme von Karotinoidmischungen der Einnahme von reinem β-Karotin überlegen ist [4] – obwohl es doch wahrscheinlicher ist, dass ein Mangel anderer Antioxidantien zu dem Ergebnis führte.

LITERATUR: siehe Literatur orthomolekulare Medizin

 

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