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NATURHEILKUNDE  INFORMATION
von JJ Kleber

Allgemeine Bemerkungen, zur Kombination von Mikronährstoffen mit anderen Naturheilverfahren und Begründung der zusätzlichen Einnahme von Mikronährstoffen siehe orthomolekulare Medizin, tabellarische Übersichten siehe unter Vitamine.

 

THIAMIN (Vitamin B1, Aneurin)
von JJ Kleber

etwas gekürzt aus Kleber JJ: Naturheilkundliche Krebstherapie Kai Kröger Verlag

DOSIERUNG: empfohlene tägliche Mindestaufnahme für Erwachsene und Kinder ab dem 7. LJ 1,0-1,4 mg/d (Dach-Referenzwerte) [10]
Bei starker körperlicher Belastung ist Thiamin-Bedarf erhöht (0,5 mg pro 1000 Kal). [4]
OPTIMALE SUBSTITUTIONSDOSIS: 2-5-(40) mg/d [11];
bei Vitaminmangel (Beri-Beri; Wernicke/Korsakoff) 50-100 (-1000) mg/d i.m. für 2 bis 3 Tage, dann oral 5-30 mg/d, in schweren Fällen bis 300 mg/d. [20, 26].

TOXIZITÄT: Akut oral verabfolgt, sind keine Symptome einer Überdosierung bekannt [20, 26]. Bei chronischer Einnahme von 1g dreimal täglich über drei Monate im Zuge einer Studie mit Alzheimer-Patienten traten keine Symptome auf. In einem Fall mit 10g pro Tag über zwei Wochen entwickelte sich Reizbarkeit, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Schwäche und Zittern, eine Rückbildung der Symptome erfolgte nach Absetzen [26].

INDIKATIONEN: wichtig bei Zytostatika-Therapie vor allem mit neurotoxischen Chemotherapeutika (5-FU, Platinpräparate).
Absolute Indikationen sind manifeste Thiamin-Mangelzustände wie Beri-Beri, Wernicke-Enzephalopathie und Korsakoff-Syndrom.
Thiamin ist eventuell sinnvoll bei Morbus Alzheimer (in Studien mit sehr hohen Dosen ergaben sich mit zusätzlich 250 mg Niacinamid dreimal pro Tag eine verbesserte Gedächtnisfunktion), bei diabetischer Polyneuropathie sinnvoll, bei HIV-Patienten in Kombination mit Ribo­flavin und Pyridoxinen lebensverlängernd [26].

THIAMIN-MANGEL: Einklinisch manifester Thiamin-Mangel zeigt sich in den Symptomen des Beri-Beri (kardial Links- und Rechtsherzinsuffizienz mit Tachykardie, Ödeme, High-Output-Syndrom mit peripherer Vasodilatation). Therapie-Erfolg nach zwölf Stunden mit normalisierter Herzgröße in 1-2 Tagen) [20].
Thiamin-Mangelsymptome am Nervensystem (in Westeuropa vor allem infolge Alkoholismus) sind periphere distal betonte aufsteigende senso-mo­torische Neuropathie (axonale Degeneration) und Wernicke-Enzephalitis mit Kleinhirnatrophie (Erbrechen, Nystagmus, Augenmuskellähmungen, Ataxie, progressive Verwirrtheit) und Korsakoff-Syndrom (Gedächtnisstörung bis Amnesie, Konfabulation, Halluzinationen) [4, 20].
Latenter Thiamin-Mangel zeigt sich nach Meinung der orthomole­kularen Medizin in unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Appetitmangel, Verdauungstörungen [11]
URSACHEN eines Thiamin-Mangels sind meist chronischer Alkoholismus mit Fehlernährung, oder Mangelerbährung anderer Urasche.
latenter Thiaminmangel ist verursacht vor allem durch Arzneimittelinterferenzenmit  Cytostatika (5-Fluorouracil hemmt die Wandlung von Thiamin zu TPP), Diuretika, Laxantien, Antazida, Antiepileptika, Neuroleptika, Kontrazeptiva, Digitalispräparate, NRTI (z.B. Zidovudin) oder geringer ausgeprägt durch Genußmittelabusus (übermäßig Kaffee, Tee, Betelnußkauen) [57].
Selten sind Malabsorptionssyndrome, extreme Diätformen, schwere zehrende Erkrankungen (Hyperthyreose,Krebs, Leberzirrhosen, Malaria) und sehr seltene angeborene Stoffwechselkrankheiten [4].

WIRKUNG: Im Stoffwechsel ist Thiamin wirksam als Thiamindiphosphat und Thiaminpyrophosphat als Coenzym im Kohlehydratstoffwechsel (Decarboxilierung und Transketolase-Reaktionen im Zitronensäure- und Pentosephosphat-Zyklus und beim Abbau verzweigtkettiger Aminosäuren). Außerdem hat Thiamin als Thiamintriphosphat eine wichtige Funktion bei der Nervenstimulation (am Na-Kanal) [4, 20, 25].

STOFFWECHSEL: Tägliches Resorptionsmaximum für Thiamin sind 5-8-15 mg. Höhere Dosen werden anteilsmäßig schlechter resorbiert (bei 20 mg nur noch 25%). Lipoidlösliches Benfothiamin erzielt, oral eingenommen, eine 5-10fach bessere Bioverfügbarkeit. Die biologische Halbwertzeit beträgt 10-20 Tage [4, 16].

NACHWEIS: Material EDTA-But; die Thiamin-Blut-Konzentration schwankt in weiten Bereichen; zur Beurteilung der Thiaminversorgung ist Aussagekräftiger die Bestimmung der stimulierten und unstimulierten Transketolaseaktivität [57].
Die normale Thiamin-Vollblutkonzentration beträgt (15)-20-60(-90) µg/l [35, 57].

VORKOMMEN: in Hefe, Muskelfleisch besonders vom Schwein (0,7-0,9 mg/100g), in Nüssen (0,3-0,5 mg/kg); in ungeschälten Getreideprodukten (Vollkornprodukten 0,1-0,6 mg/kg) und in Gemüse (Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kohlarten um 0,1 mg/kg); Thiamin ist HITZELABIL und geht beim Kochen bei 100 Grad verloren [4, 47].

LITERATUR: siehe Literatur orthomolekulare Medizin

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